Zur Entstehung des Frankenbundes

Postkarte im Besitz von E. Gillmeister-Geisenhof

Am 11. Oktober 1920 grĂŒndete Dr. Peter Schneider zusammen mit WĂŒrzburger Honoratioren den Frankenbund. Die GrĂŒndungsveranstaltung sollte ursprĂŒnglich ein erstes Zusammentreffen sein, um die Umrisse eines neu zu bildenden Dachverbandes zur „Kenntnis und Pflege des frĂ€nkischen Volkstums“ abzustecken. Eine WĂŒrzburger Tageszeitung berichtete zwei Tage spĂ€ter von „manche(n) Bedenken gegen die GrĂŒndung in materieller und auch ideeller Beziehung“. Aber dann gelang es Schneider doch, mit einer ganz neuen Konzeption seine Mitstreiter zu ĂŒberzeugen und mit ihrem einstimmigen Votum den Frankenbund aus der Taufe zu heben.
Wie Schneider ihre Zustimmung erlangte und was seine Motivation war, den Frankenbund zu grĂŒnden, erfahren Sie hier:

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„Als ich am zweiten Pfingstfeiertag des Jahres 1920 [24. Mai 1920] dem Gottesdienst in der Hofkirche zu WĂŒrzburg anwohnte, stand plötzlich der Begriff F r a n k e n b u n d ganz klar und deutlich vor meiner Seele. Die GrĂŒndung erschien mir als eine selbstverstĂ€ndliche Notwendigkeit 
“1 In dieser rĂŒckblickenden Bemerkung des WĂŒrzburger Gymnasiallehrers Dr. Peter Schneider wurde hĂ€ufig die Geburtsstunde des FRANKENBUNDES erblickt. Doch schaut man sich den Satz genauer an, war davon keine Rede. Vielmehr sprach Schneider von dem Begriff, den er gefunden hatte fĂŒr das ihn seit Jahren beschĂ€ftigende Projekt: ein Zusammenschluss aller Franken mit dem von ihm selbst formulierten Ziel: „Wir Franken mĂŒssen uns, den Landes- und Verwaltungsgrenzen zum Trotz, wieder als e i n e  F a m i l i e  fĂŒhlen lernen, die ein gemeinsames Kulturerbe ĂŒberkommen hat und zu wahren verpflichtet ist.“2 Mit der Namensfindung war lediglich der Schlusspunkt zu seinen Überlegungen gesetzt, von da an ging es an die Umsetzung seiner Ideen, wie Franken zu einer identitĂ€tsstiftenden Einheit geformt werden könne.

GrĂŒndung des Frankenbundes – kein spontaner Einfall

Die GrĂŒndung des FRANKENBUNDES war kein spontaner Einfall von Peter Schneider, sondern sie war von ihm von langer Hand vorbereitet. Gab es ein auslösendes Moment fĂŒr die GrĂŒndung? Was waren die leitenden Ideen, was war die GrĂŒndungsabsicht, welche Vorbilder gab es fĂŒr das Projekt „Frankenbund“? Welche prĂ€genden ZeiteinflĂŒsse gab es? Auch diese Fragen bilden den Hintergrund unserer JubilĂ€umsausstellung ‚Franken um 1920‘ – aber wir werden sie nicht vollstĂ€ndig beantworten können. Denn es fehlen uns persönliche Aufzeichnungen Peter Schneiders, seine Briefe und Manuskripte aus dieser Zeit. Sein Schriftgut aus der Zeit vor 1945 ist nĂ€mlich ebenso wie das Archiv des FRANKENBUNDES beim großen Luftangriff auf WĂŒrzburg am 16. MĂ€rz 1945 im Keller seines Wohnhauses in der WĂŒrzburger Altstadt verbrannt.

Cover der ersten Ausgabe des Frankenlandes aus dem Jahr 1914; Foto: C. Bergerhausen

Ideengeber: die Zeitschrift Frankenland

Um Licht in die Vorgeschichte des FRANKENBUNDES zu bringen, sind wir auf gedruckte Quellen angewiesen. Deshalb spielt die Zeitschrift FRANKENLAND eine wichtige Rolle. Diese Zeitschrift wurde schon 1914 gegrĂŒndet, also einige Jahre vor dem FRANKENBUND und unabhĂ€ngig von ihm. Die Initiative zur Herausgabe der Zeitschrift lag beim Druckereibesitzer Konrad Triltsch (1871-1921) aus Dettelbach, der den FĂŒrstlich Löwensteinschen Archivar Dr. Hans Walter aus Kreuzwertheim als Herausgeber gewann. Als erfolgreicher GeschĂ€ftsmann hatte Triltsch ein GespĂŒr dafĂŒr, dass eine „Illustrierte Monatsschrift fĂŒr Geschichte, Kunst, Kunsthandwerk, Literatur, Volkskunde und Heimatschutz in Franken“ – so der Untertitel des ersten Heftes – einen Markt finden wĂŒrde. Die Hefte waren sehr aufwendig gestaltet mit Titel- und Schlussvignetten des WĂŒrzburger Kunstmalers Otto RĂŒckert, von dem auch das kunstvoll gestaltete, farbig gedruckte Titelblatt stammte. Zahlreiche Fotos (!) und Stiche ergĂ€nzten die wertvolle Aufmachung und machten allein durch die Ausstattung deutlich, dass sich die Publikation an das BildungsbĂŒrgertum in Franken wandte. Aufschlussreich ist auch ein Blick auf das Vorwort mit der AufzĂ€hlung des Beratergremiums und der Sachgebiete, fĂŒr die seine Mitglieder zustĂ€ndig waren: Neben Beratern fĂŒr die Geschichte der drei frĂ€nkischen Bezirke wurden auch Gelehrte fĂŒr Badisch-Franken und WĂŒrttembergisch-Franken aufgezĂ€hlt. FrĂ€nkische Volkskunde war ebenso eine Disziplin, die im FRANKENLAND behandelt werden sollte, wie auch Kulturgeschichte, FrĂ€nkische Literaturgeschichte, FrĂ€nkische Rechtsgeschichte und FrĂ€nkisches Kunsthandwerk sowie Architektur. Als weitere Gebiete wurden Vorgeschichte und Denkmalpflege, Historische Geographie, FrĂ€nkische MĂŒnzkunde, FrĂ€nkische Geschlechterkunde und sogar Kriegsgeschichte einschließlich Heereskunde aufgelistet.

Von Anfang an zeichnete sich das FRANKENLAND durch eine vielfĂ€ltige Themenpalette aus, die eine bloß historische Sicht auf Franken vermeiden wollte: Es ging um die „Erforschung und Erkenntnis Frankens großer Vergangenheit“ ebenso wie um die „StĂ€rkung frĂ€nkischer Eigenart in unseren Tagen“. DarĂŒber hinaus sollten „die FĂŒhrer der modernen frĂ€nkischen Literatur und die VorkĂ€mpfer eines wieder erwachenden frĂ€nkischen Kunstgewerbes als Mitarbeiter“ gewonnen werden.3 Die Zeitschrift wollte mithin die Vielfalt und Einzigartigkeit frĂ€nkischer Kultur und Geschichte in Gegenwart und Vergangenheit reprĂ€sentieren.

Auch fĂŒr die Bearbeitung der Themen hatte der Herausgeber ganz bestimmte Vorstellungen: Es sollten „nach wissenschaftlichen GrundsĂ€tzen gearbeitete BeitrĂ€ge“ sein. Weiter fĂŒhrte er aus: „Wenn wir Wissenschaftlichkeit als unbedingte Basis der Monatsschrift ‚Frankenland‘ betonen, so ist damit nicht gesagt, daß wir fĂŒr Fachgelehrte schreiben. Im Gegenteil – aber nur auf dieser Grundlage ist es möglich, allen geistig weiterstrebenden Franken jeden Standes und Berufes, daheim und in der Fremde, Anregung und Förderung in einwandfreier Form zu geben.“4

Dass Triltsch den Markt richtig eingeschĂ€tzt hatte und die Zeitschrift den gewĂŒnschten Leserkreis erreichte, zeigte sich daran, dass sich diese Publikation trotz widriger ZeitumstĂ€nde – kurz nach der GrĂŒndung der Zeitschrift brach der Erste Weltkrieg aus – behaupten konnte; erst vor der massiven Geldentwertung musste sie kapitulieren; das FRANKENLAND wurde Ende 1922 eingestellt, da „die Kosten nicht mehr gedeckt wurden“.5 (In den folgenden Jahren suchte Schneider mittels Kooperationen mit bereits bestehenden Zeitschriften den Mitgliedern des FRANKENBUNDES eine entsprechende Publikation anbieten zu können. Erst 1949 konnte er wieder eine eigene Vereinszeitschrift herausbringen.)

Dr. Peter Schneider vor 1920; Quelle: Privatbesitz v. Claudia Schneider; Foto: C. Bergerhausen

Peter Schneider: erst Autor, dann Schriftleiter des Frankenlandes

Erstmals in Heft 1 – 1915 trat Peter Schneider als Autor im FRANKENLAND in Erscheinung. In loser Folge veröffentlichte er seine „FrĂ€nkischen Briefe“. Über seine BeweggrĂŒnde berichtete er rĂŒckblickend: „Ich selber hatte – von Speyer aus – [
] das Empfinden, daß die Zeitschrift „Frankenland“ berufen sein könnte, dem frĂ€nkischen Gedanken, zu dem ich mich lĂ€ngst durchgerungen hatte, zu einer neuen BlĂŒte zu verhelfen. Deshalb bot ich mich Dr. Walter als Mitarbeiter an; er nahm das Angebot an, und ich verpflichtete mich zunĂ€chst eine Reihe „FrĂ€nkischer Briefe“ fĂŒr die Zeitschrift zu schreiben.“6

Nach dem Tod des Herausgebers im Juni 1916 ĂŒbernahm Schneider die Schriftleitung des FRANKENLANDES. Mit ihr hatte er das Sprachrohr gefunden, um seine Ideen einer breiteren Öffentlichkeit zugĂ€nglich zu machen. So war es nur folgerichtig, dass er nach der GrĂŒndung des FRANKENBUNDES das FRANKENLAND zum „Organ des Frankenbundes“ machte und alle Mitglieder zum Bezug verpflichtete.7 Mit der Ausweitung des Leserkreises auf die FRANKENBUND-Mitglieder ging auch eine Änderung in der Ausrichtung der Zeitschrift einher, die er als Schriftleiter so begrĂŒndete: „Unser „Frankenland“ nehmen von jetzt an Kopf- und Handarbeiter in gleicher Weise in die Hand. Damit ist ein starker Ruck zum VolkstĂŒmlichen von selbst gegeben.“ Diese Ausweitung allerdings sollte nicht zur Verflachung fĂŒhren: „Die schlichtesten Leute in unserem Frankenvolke sind zu stolz, als daß ihnen das Tummeln im Platten und AlltĂ€glichen auf die Dauer gefallen könnte.“8

Die Zielsetzung, die Peter Schneider nach Übernahme der Schriftleitung bereits der Zeitschrift FRANKENLAND gegeben hatte, wurde auch fĂŒr den spĂ€ter gegrĂŒndeten FRANKENBUND richtungsweisend: Erziehung zum Frankentum. Was darunter zu verstehen ist, wurde in der vorlĂ€ufigen Satzung des FRANKENBUNDES vom 7. April 1921 genauer ausgefĂŒhrt: Weckung „ein(es) freudige(n) Stammesbewußtsein(s) …, das aus dem GefĂŒhl der Gemeinsamkeit von Herkunft, Wesen und Kultur erblĂŒht“.9 Auf dieser Grundlage sollte die Zukunft gestaltet werden: „Durch diese StĂ€rkung des frĂ€nkischen Volksbewußtseins will der [Franken-]Bund mithelfen am Aufbau der deutschen Volksgemeinschaft.“10 Denn ein solcher Aufbau der deutschen Volksgemeinschaft konnte fĂŒr Schneider „nur von innen heraus erfolgen – durch Weckung der stammestĂŒmlichen Tugenden“, wie er 1920 in seinem Vorwort zur ersten Nachkriegsausgabe des FRANKENLANDES betonte.11

Es wĂ€re naheliegend, aus diesen Bemerkungen den Schluss zu ziehen, der FRANKENBUND sei als Reaktion auf den verlorenen Ersten Weltkrieg und den Zusammenbruch der Monarchie in Bayern gegrĂŒndet worden, um in das damit eingetretene Vakuum staatlicher FĂŒhrung ein neues identitĂ€tsstiftendes Element einzufĂŒhren. Aufhorchen lassen jedoch Schneiders Worte auf dem Fest zum 10jĂ€hrigen Bestehen des FRANKENBUNDES, als er auf die „Voraussetzung fĂŒr die GrĂŒndung des Frankenbundes“ zu sprechen kam: „Seine  [des Frankenbundes] Stifter waren – schon vor dem großen Kriege – erschĂŒttert von der Not des entwurzelten, des heimatlos gewordenen Menschen der neueren Zeit, dem der Stolz auf heimatliches und auf stammliches Kulturerbe fehlen mußte, weil er bewußtseinsmĂ€ĂŸig keine Heimat mehr hatte.“12

Bayerischer Heimatschutz, Cover von Heft 1-2, 18. Jahrgang 1920; DE-20__Bav.774-1920__0001

Ideengeber: Heimatschutzbewegung

Der Ausgang des Ersten Weltkriegs war Schneider zufolge also nicht der Grund fĂŒr die Errichtung des FRANKENBUNDES; schon vorher hatte er sich immer wieder ausfĂŒhrlich zu Franken zu Wort gemeldet. Folgt man seiner Wortwahl und seinen Argumentationsmustern, so fĂ€llt der Blick auf eine im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstandene Bewegung, die Antworten bot auf den drohenden Verlust des ‚heimatlichen und stammlichen Kulturerbes‘. Gemeint ist die sogenannte Heimatschutzbewegung, die vom deutschen Komponisten Ernst Rudorff ins Leben gerufen worden war, schnell AnhĂ€nger fand und mit der GrĂŒndung des ‚Bund Heimatschutz‘ am 30. MĂ€rz 1904 in Dresden ihren ersten organisatorischen Abschluss fand. Diese Bewegung „suchte in Konzeption und Praxis das weitgehend aus der Romantik entwickelte Programm von „Heimat“ umzusetzen und verfĂŒgte in diesem Versuch innerhalb des Spektrums der gesamten wilhelminischen fortschrittskritischen Bewegung durchaus ĂŒber programmatische EigenstĂ€ndigkeit.“13

Als „eine Antwort der Moderne auf die Wandlungen des Industriezeitalters“14 stand hinter dem Begriff Heimatschutz ein Programm, das der Entfremdung des Einzelnen, die als Folgeerscheinung der mit der Industriellen Revolution einhergehenden UmwĂ€lzungen in vielen Lebensbereichen gewertet wurde, Einhalt gebieten wollte. Seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts registrierten „vorwiegend die Mitglieder des gebildeten Mittelstandes 
 die VerĂ€nderungen im Landschaftsbild und die wachsende Urbanisierung infolge des dynamisierten Wirtschaftsprozesses mehr und mehr negativ als bloße Zerstörung der natĂŒrlichen LebensrĂ€ume und, weitergehend noch, als eine Bedrohung der deutschen kulturellen IdentitĂ€t.“15 Durch das Aufrechterhalten von BrĂ€uchen, durch die RĂŒckbesinnung auf die Geschichte, durch Landschaftsschutz sollte Althergebrachtes als Identifikationsort dienen. Heimat galt hier als „Bollwerk im Strom der Zeit“.16 Zutiefst konservativ, brachte die Heimatschutzbewegung jedoch auch zukunftsweisende Reformvorstellungen hervor und wurde so zu einem Vorbereiter der ökologischen Bewegung.17

Überall in Deutschland fand die Heimatschutzbewegung großen Zulauf; sie traf den Nerv der Zeit und bot mit ihrem vielfĂ€ltigen Programm einen Ausgleich zwischen dem Festhalten am Althergebrachten und dem Wunsch nach Gestaltung der Zukunft.18 Dass sich auch der erste Herausgeber des FRANKENLANDES, Dr. Walter, dieser Bewegung nahe fĂŒhlte, zeigte die bereits zitierte Verwendung des Begriffs Heimatschutz im Untertitel der Zeitschrift an. Explizit machte sie im zweiten Jahrgang ihre Leser auf diese Bewegung aufmerksam, als eine VerfĂŒgung des Preußischen Kultusministeriums in ihr abgedruckt wurde, die die Schulen zur Mitarbeit am Heimatschutz aufrief.19

Nach 1900 wurden in ganz Deutschland HeimatschutzbĂŒnde gegrĂŒndet, die zum Teil bis heute bestehen. Ihre GrĂŒndungssatzungen Ă€hnelten sich stark, ging es ihnen doch um die Wahrung der regionalen Eigenart und um den Schutz der „Heimat in ihrer natĂŒrlichen und geschichtlich gewordenen Eigenart“.20 Zum typischen Erscheinungsbild eines Heimatbundes gehörte die GrĂŒndung von OrtsverbĂ€nden, die als Heimatvereine das Programm entsprechend den örtlichen Gegebenheiten umsetzten.21 Dieses Programm war „sowohl auf die Erforschung der Vergangenheit als auch auf die Gestaltung der Gegenwart und Zukunft gerichtet“;22 Aufgabe der Heimatvereine war es – wie ein Zeitgenosse 1908 formulierte – nicht, „wenigen Gelehrten Stoff zum Nachdenken [zu] bieten, sondern alle Volkskreise heran[zu]ziehen und [zu] erziehen, [zu] erziehen zur rechten Freude und Begeisterung an der Heimat“.23  Damit unterschieden sich die Heimatvereine hinsichtlich ihres Adressatenkreises, ihres Themenspektrums und ihrer volkserzieherischen Zielsetzung signifikant von den schon bestehenden historischen Vereinen, die dem gelehrten Austausch dienten und auf ein bildungsbĂŒrgerliches Publikum zielten.

Um der konstatierten Gefahr fĂŒr die kulturelle IdentitĂ€t Deutschlands zu begegnen, wurde auf die im 19. Jahrhundert weit verbreitete Vorstellung zurĂŒckgegriffen, derzufolge das deutsche Volk ein Zusammenschluss aus verschiedenen VolksstĂ€mmen sei.24 Erst im Zusammenspiel ihrer Eigenarten hĂ€tten sie das deutsche Volk hervorgebracht. Oder anders ausgedrĂŒckt: Je stĂ€rker sie ihre Eigenheiten ausprĂ€gten, umso mehr trugen sie zur GrĂ¶ĂŸe des Gesamtgebildes ‚deutsches Volk‘ bei.

Peter Schneiders Ideen fĂŒr Franken

Auch Schneider griff auf diese durch die Heimatschutzbewegung vermittelte Trias Heimat – Stamm – Vaterland zurĂŒck, als er sein Erziehungsprogramm zum Frankentum entwickelte. FĂŒr ihn waren die StĂ€mme die wirkmĂ€chtigen Elemente der Geschichte. Jeder Stamm sollte sein Stammesbewusstsein ausbilden, und alle zusammen sollten mit ihren EigentĂŒmlichkeiten das Volksganze prĂ€gen.25 „Der Franke und der Baier und der Schwabe, der ThĂŒringer und der Sachse: jeder sei sich vor allem des eigenen Stammestums bewußt“.26 In dieses Konzept band er sein Projekt ein, die Franken zu einem selbstbewussten Volk mit Stolz auf seine Eigenarten und seine Geschichte auszubilden. Den möglichen Vorwurf einer partikularistischen Einstellung wehrte er gleich in seinem 1915 veröffentlichten 2. FrĂ€nkischen Brief vehement ab: Vielgestaltigkeit war ihm “Hauptkennzeichen deutschen Wesens und deutscher Begabung“.27 Und dazu sollte ein selbstbewusstes Franken seinen Anteil beisteuern.

Aus der von ihm propagierten Ausbildung der frĂ€nkischen StammeseigentĂŒmlichkeiten folgte  demnach nicht ein Einsatz fĂŒr die territoriale SelbststĂ€ndigkeit Frankens. Separatistische Konsequenzen aus der Wiederbelebung des frĂ€nkischen Stammesbewusstseins zu ziehen, lehnte er kategorisch ab, denn „wenn Stammes- und Staatsgrenzen zusammenfallen, (fehlt) einem solchen Staatengebilde naturgemĂ€ĂŸ jener lebendige Wetteifer 
, den das Nebeneinander der StĂ€mme in einem Staat erzeugt“.28 Der bereits in seiner Zeit erhobenen Forderung nach einer Loslösung Frankens von Bayern erteilte er folglich eine klare Absage: Er brandmarkte sie als RĂŒckfall in die â€žĂŒberwundenen Zeiten der Kleinstaaterei“ ab.29

Bei allen seinen Äußerungen zu Franken und deutscher Volksgemeinschaft fĂ€llt die weitgehende Ausblendung der zeitgenössischen politischen Situation auf. Seine auf den ersten Blick politisch neutrale Haltung, die er auch zum Konstitutivum des FRANKENBUNDES machte, hatte indes auch eine Kehrseite: die fehlende UnterstĂŒtzung fĂŒr die Weimarer Republik, das Desinteresse an der sich entwickelnden Demokratie in Deutschland.

Offenbleiben muss die Frage, ob sich Schneider explizit als AnhĂ€nger der Heimatschutzbewegung bezeichnete. Zur Beantwortung fehlen uns die persönlichen Zeugnisse. In seinen gedruckten Äußerungen dieser Zeit ließ er hĂ€ufig Kenntnisse des ideologischen Unterbaus der Bewegung erkennen und setzte sich partiell kritisch mit einzelnen ihrer Elementen auseinander. Ein offenes Eintreten Schneiders fĂŒr diese Bewegung ist indes nicht ĂŒberliefert.30

Dass Schneider sich nicht scheute, gegen den Zeitgeist seine Meinung zu vertreten, zeigt sein Werben fĂŒr eine Aussöhnung mit Frankreich bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg. So forderte er 1919 von seinen Zuhörern in Bamberg, sich vorzustellen, „Sie hĂ€tten wĂ€hrend des Krieges  
 nicht in Bamberg, sondern in Reims oder Ypern gewohnt“, die beide bekanntlich schwer unter der deutschen KriegsfĂŒhrung gelitten hatten.31 Sein sich in den nĂ€chsten Jahren noch verstĂ€rkendes PlĂ€doyer fĂŒr eine deutsch-französische Aussöhnung war Konsequenz seiner Vorstellung von einem frĂ€nkischen Stamm, der prĂ€genden Anteil sowohl an der deutschen wie auch an der französischen Geschichte gehabt hatte. Daraus zog Schneider den Schluss: „… sehr viel wertvolles frĂ€nkisches Blut (ist) ins französische Volk ĂŒbergegangen. Sollte es nicht fĂŒr die ’spĂ€tere unausbleibliche VerstĂ€ndigung‘ zwischen Deutschland und Frankreich wertvoll sein, auf diesen rassischen Zusammenhang hinzuweisen, ‚wenn alles sonst versagt?’“32

Fernziel Schneiders war die Konstituierung Frankens als eines sich seiner Eigenart bewussten und darauf stolzen Volksstammes. Noch war Franken davon weit entfernt; hinderlich auf diesem Wege waren:

  1. die durch die Kleinstaaterei erzeugte territoriale Zerrissenheit, deren Spuren immer noch in Franken ablesbar waren. „Uns Franken hat diese Zersplitterung nicht mehr und nicht weniger geraubt als das GefĂŒhl der Gemeinsamkeit, der Zusammengehörigkeit.“33
  2. die durch die Reformation verursachte konfessionelle Spaltung. „Zweifellos hat wie ĂŒberall so auch bei uns die Verschiedenheit des Bekenntnisses die Lebensformen, die Schöpfungen der Kunst, ja selbst die Sprache verschieden beeinflußt, …“34 Dem setzte er entgegen: „Und so meine ich denn, der Unterschied des Glaubens sollte, sobald es sich um Beurteilung des NĂ€chsten handelt, fĂŒr den Franken, der seines Volkes Stammes Geschichte kennt, ĂŒberhaupt nicht vorhanden sein.“35

Die Überwindung der Folgen der territorialen Zersplitterung und der durch die Reformation ausgelösten Glaubensspaltung war fĂŒr Schneider keine politische oder theologische, sondern eine pĂ€dagogische Aufgabe: Hier setzte sein Programm zur „Erziehung zum Frankentum“ an: „FrĂ€nkische Eltern, Geistliche, Lehrer: erzieht Eure Söhne, Eure Pflegebefohlenen 
 zur stammesbrĂŒderlichen Liebe!“36

Die Altenburg oberhalb von Bamberg 1893

Umrisse eines neuen Vereins fĂŒr Franken

Reichten auch seine Überlegungen in die Vorkriegszeit zurĂŒck, so sah Schneider die Situation direkt nach dem Ersten Weltkrieg als gĂŒnstig an, sein Projekt in die Wirklichkeit umzusetzen. Denn fĂŒr ihn war die Nachkriegszeit der „Beginn einer neuen Zeit“. So jedenfalls ĂŒberschrieb er seinen Vortrag am 9. August 1919 in Bamberg, in dem er seine Vorstellungen ĂŒber den „zukĂŒnftigen Betrieb deutscher Geschichts- und Heimatforschung“ darlegte.37 In dieser von ihm selbst als programmatisch eingestuften Rede entwickelte er sein Konzept der Erziehung zum Frankentum. Dreh- und Angelpunkt seines Programms bildeten die Heimat- und Geschichtsvereine. Damit sie ihren geschichtlichen Auftrag erfĂŒllen könnten, konstitutives Element beim Aufbau des neuen deutschen Vaterlandes zu sein, skizzierte er PlĂ€ne fĂŒr ihren Umbau und ihre Neuausrichtung, Sein Forderungskatalog an den kĂŒnftigen Vereinsbetrieb enthielt zugleich seine Kritik an den bestehenden Vereinen: Er forderte den Blick ĂŒber den eigenen Tellerrand hinaus und die Vernetzung untereinander; beides vermisste er im gegenwĂ€rtigen Vereinsbetrieb.

In sein Konzept der Ausbildung eines frĂ€nkischen Stammesbewusstseins passten keine Vereine, deren Forschungsgebiete an der eigenen Stadtmauer endeten. Seinen Idealvorstellungen zufolge habe der Heimatforscher „nach allgemeinem geschichtlichem Wissen“ zu streben, „damit er die Geschehnisse, die ZustĂ€nde der engeren Heimat in ihrem Zusammenhang mit dem großen Gang der Weltgeschichte, als Teilchen des großen Weltgeschehens erfasse“.38 Kritisch beobachtete er die Weigerung zeitgenössischer Heimat- und Geschichtsvereine, â€žĂŒber die Grenzen der engsten Heimat hinaus“ zu sehen.39 Resultat dieser Einstellung war in seinen Augen die Unkenntnis ĂŒber die Arbeitsgebiete anderer benachbarter Vereine. „Die hermetische Abgeschlossenheit der einzelnen frĂ€nkischen Geschichtsvereine muß durchbrochen werden. 
 Es mĂŒssen Mittel und Wege gefunden werden die verschiedenen Vereine des frĂ€nkischen Stammes einander nĂ€her zu bringen, damit aus dem Nebeneinander ihrer Arbeit ein Miteinander werde.“40

Im FrĂŒhjahr 1920 hatten sich seine LebensumstĂ€nde so gewandelt, dass er an die Realisierung seiner PlĂ€ne denken konnte: Peter Schneider war mit seiner Familie nach WĂŒrzburg gezogen, nachdem er eine Anstellung am dortigen Neuen Gymnasium gefunden hatte. Ende Mai war der Name fĂŒr sein Projekt gefunden, jetzt musste noch offiziell die GrĂŒndung vollzogen werden – in einer Zeit, in der WĂŒrzburg starke soziale Unruhen erlebte, die sich am 28. Juni 1920 im sogenannten Blutmontag mit zwei Toten entluden.

Postkartenansicht der GaststÀtte Franziskaner, abgestempelt im Jahr 1911; Privatbesitz; Foto: E. Gillmeister-Geisenhof

GrĂŒndungsveranstaltung des Frankenbundes

Schließlich gelang es Schneider, am 11. Oktober 1920 eine illustre Runde WĂŒrzburger Honoratioren in der GaststĂ€tte ‚Franziskaner‘ zu versammeln. GlĂŒcklicherweise hat das FrĂ€nkische Volksblatt zwei Tage spĂ€ter einen ausfĂŒhrlichen Bericht ĂŒber diese Versammlung veröffentlicht und auch Namen der Teilnehmer aufgelistet. Daher wissen wir, dass einige von ihnen zum ersten Beratergremium des FRANKENLANDES gehörten und die meisten namentlich Genannten ausgewiesene Experten der frĂ€nkischen Geschichte, Kunst und Kultur aus WĂŒrzburg waren.

Auch ist bekannt, dass einige der genannten Teilnehmer selbst bereits Vorsitzende frĂ€nkischer Vereine waren, weshalb es nicht verwundert, dass das FrĂ€nkische Volksblatt von „manche(n) Bedenken gegen die GrĂŒndung in materieller und auch ideeller Beziehung“ berichtete. An ihrer ablehnenden Haltung scheiterte sein in Bamberg skizziertes Vorhaben, den FRANKENBUND als eine Sammlungsbewegung der bereits existierenden frĂ€nkischen Geschichts- und Heimatvereine ins Leben zu rufen.41 Die von Schneider in Bamberg geforderte fundamentale Neuausrichtung der Heimat- und Geschichtsvereine wollten die anwesenden Vereinsvorsitzenden in ihren Vereinen nicht umsetzen. Um sein Konzept nicht schon gleich zu Beginn scheitern zu lassen, beeilte sich Schneider auf der Zusammenkunft – folgt man dem Zeitungsbericht – zu betonen, dass der neu zu grĂŒndende Bund „keineswegs die bestehenden historischen und Altertumsvereine verdrĂ€ngen“ wolle. Sein Angebot lautete, dass diese Vereine „ in ihrer Eigenart bestehen bleiben und durch die Veröffentlichung ihrer Vereinsangelegenheiten im „Frankenland“ gefördert werden“.42

Da Schneider den erwĂŒnschten Zusammenschluss frĂ€nkischer Vereine nicht erreichen konnte, wĂ€hlte er einen anderen Weg, der bis heute die Struktur des FRANKENBUNDES prĂ€gt: „Errichtung von Ortsgruppen in den 3 Frankenlanden“, um „den Bund lebensfĂ€hig und fruchtbar zu machen“.43 Um aber die von ihm konstatierten Probleme der frĂ€nkischen Vereinslandschaft – der mangelnde Austausch untereinander – zu umgehen, sollten die drei frĂ€nkischen Bezirke die Klammer fĂŒr die Gruppen vor Ort bilden mit dem Ziel, sie untereinander zu vernetzen. Das vorgestellte umfangreiche Vortragsprogramm sollte die erwĂŒnschte Horizonterweiterung sicherstellen.44 Nicht nur in seiner Struktur und mit seinem auf ganz Franken ausgerichteten Programm unterschied sich der FRANKENBUND von den anderen Vereinen, sondern auch in seinem Zielpublikum: volkstĂŒmlich gesinnte MĂ€nner und Frauen aus allen Bevölkerungsschichten, wie Schneider nicht mĂŒde wurde zu betonen.45 So ergab sich, dass die im „Franziskaner“ versammelten, zumeist akademisch gebildeten Honoratioren keine Gelehrtenvereinigung aus der Taufe hoben, keinen Verband, der wissenschaftliche Forschung betreiben wollte, sondern eine volkstĂŒmlich gesinnte Gesellschaft fĂŒr alle Franken. Diese gewĂŒnschte Ausrichtung war keine Konkurrenz zu bereits bestehenden Vereine, weswegen sie  – nach Angabe des Zeitungsartikels – den FRANKENBUND  einstimmig grĂŒndeten.

FrÀnkisches Volksblatt vom 25. November 1920; Foto: E. Gillmeister-Geisenhof.

Um die GrĂŒndung des FRANKENBUNDES aus dem Nebenzimmer des Franziskaners in das Bewusstsein der WĂŒrzburger BĂŒrger zu tragen, wurde am 30. November 1920 eine Abendveranstaltung im Saalbau des Platz’schen Gartens in WĂŒrzburg durchgefĂŒhrt. Zwischenzeitlich war es Schneider gelungen, in den umliegenden Orten bereits FRANKENBUND-Gruppen zu grĂŒnden, so dass die Absicht, die Abendveranstaltung am 30. November 1920 als GrĂŒndungsveranstaltung zu gestalten, durch die stĂŒrmische Entwicklung des Bundes bereits ĂŒberholt war. Bis zum Jahresende 1920 gab es weitere NeugrĂŒndungen auch in Mittelfranken (Gunzenhausen) und in Oberfranken (Bamberg und Kulmbach). Zwei Jahre spĂ€ter zĂ€hlte der FRANKENBUND schon 27 Gruppen. Die rasche Ausbreitung des FRANKENBUNDES zeigte, dass Schneider mit dem FRANKENBUND ein GrundbedĂŒrfnis seiner frĂ€nkischen Landsleute erfĂŒllte.


Anmerkungen

  1. Schneider, Peter: Gegen Verdunkelung der Tatsachen, in: Werkblatt des Frankenbundes, Jg. 1927, S. 40.
  2. Schneider, Peter: FrÀnkischer Brief VII, in: FRANKENLAND, Jg. 1919/20, S. 123.
  3. FRANKENLAND, Heft 1 – 1914, S. 4.
  4. Ebd.
  5. Schneider, Peter: Gegen Verdunkelung der Tatsachen, in: Werkblatt des Frankenbundes, Jg. 1927, S. 40. 
  6. Ebd, S. 39.
  7. Ebd., S. 40.
  8. Schneider, Peter: Der Frankenbund ist gegrĂŒndet, in: FRANKENLAND, Jg. 1921, Vorwort, o.Seitenzahl.
  9. VorlÀufige Satzung des Frankenbundes vom 7. April 1921, § 1, Abschnitt 1.
  10. Ebd.
  11. FRANKENLAND, Jg. 1919/20, S. 1.
  12. Werkblatt des Frankenbundes, Jg. 1930, S. 67. Vgl. auch: FRANKENLAND, Jg. 1919/20, S. 1: „W i r  sind dafĂŒr eingetreten, als den Zusammenbruch noch wenige ahnten.“ Und er setzte nach: „(Wir) steuerten 
 also schon lange nach einer Richtung, wohin jetzt mehr Leute als frĂŒher zu segeln gedenken.“
  13. Knaut, Andreas: Ernst Rudorff und die AnfÀnge der deutschen Heimatbewegung, in: Klueting, Edeltraud (Hrsg.):  Antimodernismus und Reform. Zur Geschichte der deutschen Heimatbewegung. Darmstadt 1991, S. 22.
  14. Klueting, Edeltraud: Vorwort in: dies. (Hrsg.), Antimodernismus und Reform, S. VII.
  15. Knaut, Andreas: Ernst Rudorff und die AnfÀnge der deutschen Heimatbewegung, in: Klueting,  Antimodernismus und Reform, S. 20.
  16. Hartung, Werner: „Das Vaterland als Hort von Heimat“. Grundmuster konservativer IdentitĂ€tsfindung und Kulturpolitik in Deutschland, abgedruckt in: Klueting, Antimodernismus und Reform, S. 112-153; hier: S. 115. Dieser Beitrag enthĂ€lt eine kritische WĂŒrdigung der Heimatschutzbewegung.
  17. Nipperdey kennzeichnete die unterschiedlichen Zeitströmungen als „Ambivalenz der ModernitĂ€t“:  Nipperdey, Thomas: Deutsche Geschichte 1866-1918.  Band 1: Arbeitswelt und BĂŒrgergeist. MĂŒnchen 1990, S. 738. Die ihr innewohnenden nationalkonservativen bis rechtsnationalen ZĂŒge gewannen deutlich sichtbar Ende der 1920er Jahre Oberhand. Am Beispiel ihres langjĂ€hrigen 1. Vorsitzenden, des Architekten Paul Schultze-Naumburg, lĂ€sst sich nachvollziehen, wie einige ihrer BefĂŒrworter zum SteigbĂŒgelhalter des Nationalsozialismus werden konnten: hierzu ebd., S. 832. Zu Peter Schneiders Haltung nach 1933 s. die grundlegende Studie von Blessing, Werner K.: Patriot in einer schwierigen Zeit. Zum 50. Todestag von Dr. Peter Schneider, abgedruckt in: FRANKENLAND 1-2009, S. 41-62. Peter Schneider berichtete nach dem Zweiten Weltkrieg, dass er hĂ€ufiger Reden in Versammlungen der Bayerischen Volkspartei gehalten habe, ohne Mitglied der BVP gewesen zu sein.
  18. Zu bedenken ist, dass es „die“ Heimatschutzbewegung mit einheitlichem Programm und festen Strukturen nicht gab.
  19. FRANKENLAND, Heft 1-1915, S. 39f. Interessant ist die Ausdeutung, die dort dem Heimatschutzgedanken gegeben wurde: Der Heimatschutz war demnach „auf die Erhaltung der ĂŒberlieferten Kulturwerte, wie der Eigenart und Schönheit der Natur gegenĂŒber achtloser oder böswilliger Behandlung gerichtet 
 In weiten Kreisen belebt sich das Interesse an dem Schutz der heimischen DenkmĂ€ler, der ĂŒberlieferten Bauten und GerĂ€te, an der Erhaltung und Wiederbelebung ererbter Lieder und GebrĂ€uche, nicht weniger aber an dem Schutz der Natur, sei es der Pflanzenwelt, der Tierwelt oder der Landschaft als Ganzes.“ (Ebd.)
  20. So beispielsweise das Vereinsziel des SchwĂ€bischen Heimatbundes e. V. mit Sitz in Stuttgart, der 1909 als WĂŒrttembergischer Bund fĂŒr Heimatschutz gegrĂŒndet worden war, s. http://schwaebischer-heimatbund.de/shb_in_eigener_sache/ueber_uns/geschichte.html (Aufruf am 26.08.2020). Hierzu gehört auch der 1902 gegrĂŒndete „Bayerische Verein fĂŒr Volkskunst und Volkskunde“, der heutige Bayerische Landesverein fĂŒr Heimatpflege.
  21. Bis heute ist z.B. der SchwĂ€bische Heimatbund e. V. in Orts-/Stadt- und Regionalgruppen gegliedert; vgl. auch Aufbau und Geschichte des 1909 gegrĂŒndeten Landesvereins Badische Heimat e. V., um einen weiteren im sĂŒddeutschen Raum maßgeblichen Heimatverband zu nennen.
  22. Klueting, Edeltraud: Heimatschutz, in: Krebs, Diethart / Reulecke, JĂŒrgen (Hrsg): Handbuch der deutschen Reformbewegungen 1880–1933. Wuppertal 1998, S. 48.
  23. Konrich, Georg Friedrich: Persönlicher Heimatschutz (1908), zitiert nach: Hartung, Werner: Konservative Zivilisationskritik und regionale IdentitÀt. Am Beispiel der niedersÀchsischen Heimatbewegung 1895 bis 1919. Hannover 1991, S. 73.
  24. Hierzu Goetz, Hans-Werner: Die „deutschen StĂ€mme“ als Forschungsproblem, in: Beck, Heinrich/Geuenich, Dieter/Steuer, Heiko (Hrsg.): Zur Geschichte der Gleichung „germanisch-deutsch“. Berlin 2004, S. 229ff.
  25. Vgl. VorlÀufige Satzung des Frankenbundes vom 7. April 1921, § 1, Abschnitt 1.
  26. Schneider, Peter: FrÀnkische Briefe II, in: FRANKENLAND Jg. 1915, S. 100.
  27. Ebd.
  28. Schneider, Peter: Geschichtsforschung und Volkstum in Franken am Beginn einer neuen Zeit, in: FRANKENLAND, Jg. 1919/1920, S. 73.
  29. Ebd.
  30. S. auch Heller, Hartmut: Organisierte RegionalidentitĂ€t: Der Frankenbund e. V., in: Blessing, Werner K. / Weiß, Dieter J. (Hrsg.): Franken. Vorstellung und Wirklichkeit in der Geschichte. Neustadt/Aisch 2003, S. 381-390; hier vor allem S. 387ff.
  31. Ebd., S. 68.
  32. Schneider, Peter: Aus frĂ€nkischem Herzen, in: Frankenbund (!) Jg. 1933, S. 112; Schneider zitiert hier aus seinem zwölften der im WĂŒrzburger General-Anzeiger erschienenen „Neuen frĂ€nkischen Briefe an alle“.
  33. Schneider, Peter: FrÀnkische Briefe VII, in: FRANKENLAND Jg. 1919/20, S. 122.
  34. Ebd., S. 123.
  35. Ebd., S. 124.
  36. Ebd.
  37. Schneider, Peter: Geschichtsforschung und Volkstum in Franken am Beginn einer neuen Zeit, in: FRANKENLAND, Jg. 1919/1920, S. 70; im Original gesperrt gedruckt.
  38. Ebd., S. 67.
  39. Ebd.
  40. Ebd., S. 75.
  41. Einige Jahre spĂ€ter gab Schneider zu Protokoll: „Mein schon bei einem Vortrag 
 zu Bamberg 1919 -
- in Aussicht gestellter Versuch die frĂ€nkischen Geschichtsvereine zu einer Art Arbeitsgemeinschaft zusammenzuschließen, scheiterte an der ablehnenden Haltung dieser Vereine.“ Schneider, Peter: Gegen Verdunkelung der Tatsachen, in: Werkblatt des Frankenbundes, Jg. 1927, S. 40.
  42. FrÀnkisches Volksblatt v. 13. Oktober 1920.
  43. Ebd.
  44. Nach Angabe der Zeitung sollte im FRANKENBUND nicht nur „das Historische durch VortrĂ€ge behandelt (werden), sondern auch die Gegenwart durch frĂ€nkische Dichter, KĂŒnstler, Musiker u. s. w. zu ihrem Recht“, ebd.
  45. Aufgabe der OrtsverbĂ€nde sollte es sein, “deutsche Frauen und MĂ€nner [zu] vereinigen 
 zur Pflege des frĂ€nkischen Stammesbewußtseins, zur Verbreitung der frĂ€nkisch. Vergangenheit und Pflege des Volkstums der Gegenwart“; ebd.