SW Ausstellung: Conrad Westpfahl und Sigrid Kopfermann. Dynamik und Farbe
27. März 2026 – 19. Juli 2026
Conrad Westpfahl und Sigrid Kopfermann:
Dynamik und Farbe
27.3. — 19.07.2026
Kunsthalle Schweinfurt und Sparkassengalerie
Zum 50. Todesjahr von Conrad Westpfahl (1891-1976) und in Erinnerung an die Malerin Sigrid Kopfermann (1923-2011) präsentiert die Kunsthalle Schweinfurt Werke zweier prägender Stimmen der deutschen Nachkriegskunst im dialogischen Gegenüber. Die Ausstellung setzt den programmatischen Schwerpunkt des Hauses auf die informelle Kunst konsequent fort und führt zugleich zwei Positionen zusammen, die auf unterschiedliche Weise nach einer eigenständigen abstrakten Bildsprache suchten. Beide Künstler stehen exemplarisch für jene Generation, die nach 1945 neue künstlerische Ausdrucksformen entwickelten, um auf die historischen Brüche, Erfahrungen und geistigen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts zu reagieren.
Conrad Westpfahl, geboren in Berlin, verbrachte seine letzten Lebensjahre in Wetzhausen bei Schweinfurt. Ein zentraler Teil seines Œuvres ist heute Bestandteil der städtischen Sammlung und wird immer wieder in wechselnden Ausstellungen präsentiert. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er zunächst bei Emil Orlik sowie an der Münchner Akademie. Prägend wurde für ihn die Zeit in Paris, wo er an der privaten Académie Ranson bei Félix Vallotton studierte. Früh unternahm er ausgedehnte Reisen nach Italien und in die Provence, deren Licht- und Farberfahrungen seine Wahrnehmung von Raum und Atmosphäre nachhaltig beeinflussten. Seine frühen Arbeiten sind noch deutlich figurativ geprägt, doch bereits in den späten 1920er Jahren begann er, sich von der Gegenständlichkeit zu lösen. Abstraktion, Collage und experimentelle Bildkompositionen rückten zunehmend in den Mittelpunkt seines Schaffens. Die Begegnungen mit Künstlern wie Max Ernst, Pablo Picasso und Fernand Léger während seiner Pariser Jahre wirkten dabei als wichtige Impulse für seine expressive, oft spannungsgeladene Bildsprache.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte Westpfahl jene monumentalen Kompositionen, für die er heute bekannt ist. In den 1950er- und 1960er-Jahren nahm er Einflüsse des amerikanischen Abstract Expressionism auf und verband sie mit eigenen, raumgreifenden Vorstellungen von Malerei. Er verstand den Bildraum als ein „Steigen und Stürzen von Räumen“ als dynamisches Gefüge aus Bewegung, Verdichtung und Auflösung. Neben seinem malerischen Werk verfasste Westpfahl zahlreiche theoretische Schriften, mit denen er die abstrakte und informelle Kunst in Deutschland reflektierte und nachhaltig mitprägte.
1955 bis 1957 nahm Westpfahl als Gast an den Ausstellungen der Gruppe ZEN 49 teil, einem Zusammenschluss von Kunstschaffenden, die sich 1949 in der Galerie Stangl in München zunächst als „Gruppe der Gegenstandslosen“ gründeten und die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Erneuerung der Kunst beitrugen. Ein Kernbestand der Kunstsammlung der Stadt Schweinfurt umfasst Werke der Gründungsmitglieder und dren Gäste. Seit den 1990er-Jahren sind diese in zahlreichen Ausstellungen gewürdigt worden, u.a. Conrad Westpfahl (1991), Rolf Cavael (1994), das Künstlerehepaar Matschinsky-Denninghoff (1998), Emil Schumacher (1999), Fathwinter (2000), Rupprecht Geiger (2005) oder Gerhard Fietz (1996, 2002, 2010) oder Fred Thieler (2011). Damit wurde der Grundstein für die Ausrichtung des Hauses und sein Schwerpunkt für das deutsche Informel gelegt. Nach dem Tod von Conrad Westpfahl 1976 lag der Nachlass bei der Stadt Schweinfurt, die rund 65 Werke zumeist ankaufte. Diese werden nun im Rahmen der Ausstellung gezeigt.
Die gebürtige Berlinerin Sigrid Kopfermann, eine Generation jünger, zählt ebenfalls zu den wichtigen Vertreterinnen des deutschen Informel. Nach ihrer Ausbildung an der Hochschule für Kunsterziehung in Berlin bei Willy Jaeckel und Bernhard Dörries entwickelte sie in den 1950er-Jahren eine freie, abstrakte Malerei, in der Farbe zum zentralen Träger von Erfahrung und Empfindung wurde. Studienreisen nach Ibiza, Aufenthalte in Paris, Südfrankreich, Berlin und New York prägten ihre Arbeit ebenso wie die persönlichen Erfahrungen ihrer Generation – vom Zweiten Weltkrieg über die Nachkriegsbohème bis hin zur etablierten Düsseldorfer Gesellschaft.
Kopfermanns Malerei speist sich aus Naturbeobachtung, Landschaftseindrücken und sinnlicher Wahrnehmung. Serien wie Strömungen, Wald/Wachstum oder Kreise/Wirbel verdichten Farbe, Raum und Bewegung zu subtilen, poetischen Bildräumen. Ihre Arbeiten zeichnen sich durch einen lyrischen Rhythmus, feine Nuancierungen und eine große Sensibilität für Farbstimmungen aus. Im Vergleich zu Westpfahls gestischer Monumentalität wirken ihre Bilder oft zurückhaltender, beinahe meditativ, ohne dabei an Intensität zu verlieren.
Auch hier ist Schweinfurt Vorreiter: Bereits 1990 zeigte die Stadt unter dem Titel „Sigrid Kopfermann. Neue Bilder“ Werke der Künstlerin. In diesem Zuge erwarb die Stadt Schweinfurt auch früh eines von Sigrid Kopfermanns Hauptwerken,“Strömungen blau“ aus dem Jahr 1963, das nun auch in der aktuellen Ausstellung ins neue Licht gerückt wird. Die Ausstellung präsentiert Werke von Conrad Westpfahl aus dem Sammlungsbestand der Kunsthalle und Arbeiten von Sigrid Kopfermann aus der Kopfermann-Fuhrmann Stiftung in Düsseldorf. Sie lädt dazu ein, Parallelen und Unterschiede zwischen diesen beiden künstlerischen Positionen zu entdecken. Zwei Generationen begegnen sich, die jeweils ihre individuelle Idee von Abstraktion entwickelten, internationale Impulse aufnahmen und in ihren eigenen Kontext überführten. Der Dialog zwischen Westpfahl und Kopfermann eröffnet einen vielschichtigen Blick auf das Informel als bedeutendes Kapitel der Nachkriegskunst – ein Dialog über Farbe, Raum und Bewegung, über Rhythmus, Ausdruck und die poetische Kraft des Abstrakten, der bis heute nachwirkt.
Die Ausstellung der Kunsthalle wurde ermöglicht durch die großzügige Unterstützung der Stiftung Städt. Sparkasse Schweinfurt sowie der Kopfermann-Fuhrmann Stiftung.
Die Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, den 26. März 2026 um 19 Uhr statt. Eintritt frei
Öffnungszeiten und Adresse
Di-So 11-17 Uhr, Do bis 20 Uhr, jeden 1. Donnerstag im Monat freier Eintritt.
Adresse
Kunsthalle Schweinfurt
Rüfferstraße 4
97421 Schweinfurt
Weiterer Ausstellungsort
Anlässlich der Ausstellung in der Kunsthalle Schweinfurt präsentiert die Sparkasse Schweinfurt-Haßfurt als Kooperationspartner in den Räumen der Sparkassengalerie einen weiteren Schauplatz der Ausstellung.
Adresse und Öffnungszeiten | Sparkassengalerie
Roßmarkt 5–9
97421 Schweinfurt
Montag bis Freitag: 9:00 – 16:30 Uhr (Eintritt frei)